Schopenhauer und Hegel beim Junggesellenabschied
28. Januar 2010
Hin und wieder schaffe ich es, von den weltlichen Dingen Abstand zu nehmen und mich in die Sphären der Philosophie zu flüchten. Hierzu leistet unter anderem mein Studium gute Dienste, das der ein oder andere als brotlose Kunst bezeichnen würde: doch ich halte ein Studium der Geschichte und Philosophie nach wie vor als durchaus befriedigend und zielführend – gerade in Zeiten des schnelllebigen Wandels.
Da ich an sich doch lange Zeit eher Schopenhauer zugeneigt war, erstaunt mich heute umso mehr, dass mich sein erklärter Rivale Hegel regelrecht begeistert. Seine Ausführungen zur Philosophiegeschichte sind einmalig; dass sich seine Vorlesungen dazu auf geschätzte 2000 Seiten erstrecken, scheint zunächst etwas beängstigend. Sie sind jedoch wohl eine lohnende Lektüre und alle Mühen wert.
Was Schopenhauer, Hegel und zum Beispiel auch Nietzsche eint, ist die Kritik am Kleinbürgerlichen. So wurden wahre Leidenschaften im Zuge der Demokratisierung bzw. vor allem der Verbreitung kapitalistischer Ideen durch viele kleine Interessen ersetzt; viele kleine Wünsche werden beim kleinen Mann geweckt, die befriedigt werden sollen – ob vernünftig oder auch weniger. Der Begriff der “Spaßgesellschaft” scheint Teile dieser Entwicklung ganz gut zu treffen:
Das ganze Leben besteht nur noch aus vielen kleinen nichtigen Events, wie zum Beispiel einem Junggesellenabschied. Ich wusste bis vor Kurzem noch nicht einmal, dass es mittlerweile auch Sitte bzw. Mode geworden ist, diesen zu zelebrieren – noch dazu in irgendwelchen Clubs und darüberhinaus auch noch in auffälliger Montur verkleidet. Fasching war mir schon immer fremd; doch nun gibt es mehr oder weniger gute Gründe, um sich das ganze Jahr über in komische Klamotten zu schmeißen.
Doch wahrscheinlich sehe ich das Ganze nur wieder viel zu kritisch. Ich habe mir nach einschlägigen Begegnungen an denkbar unpassenden Orten wie u.a. dem Frankfurter Hauptbahnhof erst einmal Infos zum Junggesellenabschied einholen müssen, um mir ein differenzierters Bild davon machen zu können: wer weiß, vielleicht entgehen mir ja tatsächlich tolle Parties, an die ich mich ein Leben lang erinnern würde, nur weil ich so kleinbürgerlich-spießig diesem Trend entsage? Allein, ich glaube es eher nicht. Ob Hegel und Co. wohl an solch einem Event Teil genommen hätten?!
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