Social Media und so
8. März 2010
Neulich hat sich ein Bekannter bei mir über die deutsche Bloggerszene beschwert: sie würde fast ausschließlich selbstreflexiv über andere Blogger schreiben, was man an Langeweile nur schwerlich überbieten könne. Nun weiß ich persönlich nicht so genau, was etwa die chinesischen Blogger so zum Besten geben oder auch diejenigen in Indien. Oder die in Ouagadougou [sollte es dort überhaupt Blogger geben]. Aber was machen denn die anderen Medien bitte so?
Zeitungen schreiben viel von anderen Zeitungen ab bzw. greifen auf und kritisieren; im Fernsehen werden Sendungen über Sendungen gedreht, und in jedem guten Roman werden auch andere gute Romane in irgend einer Form zitiert. Es soll ja mittlerweile auch RomanautorInnen geben, die viel aus Blogs kopieren [Gruß an dieser Stelle an die mittlerweile achtzehnjährige Helene, die es doch tatsächlich geschafft hat , dass ich mich nach jahrelanger Abstinenz mal wieder für deutsche Feuilletons interessiere].
Jedenfalls ist besagter Bekannter aus den klassischen Medien stämmig und sonst auch nicht gerade auf intimster Tuchfühlung mit Web 2.0 und so. Aber hauptsache erst mal pauschal alle Blogs in einen Beutel stecken und feste drauf hauen – sind ja eh alle gleich und haben es nicht anders verdient. Ich werde es sicherlich nicht so schnell müde über andere Blogger zu schreiben, sie zu lesen und neue Ideen aufzugreifen, die ich interessant finde und vielleicht auch selber umsetzen möchte. Schließlich kann man sich als Blogger und als Mensch nur dann weiterentwickeln, wenn man auf andere eingeht und nachdenkt. [Ich merke an dieser Stelle, dass ich viel zu philosophisch werde, was gar nicht mein Ansinnen war.]
Nun zum eigentlichen Anlass dieses Beitrages: seit neuester Zeit wird darüber diskutiert, inwiefern man als Blogger auch auf die sogenannten “Social Media”-Plattformen wie Twitter, Facebook etc. pp. eingehen bzw. diese in seinem Blog integrieren soll. Es mag durchaus sein, dass diese Diskussion schon seit viel längerer Zeit im Gange ist; doch mein subjektiver Eindruck ist eben, dass sich das in den letzten Wochen häuft.
Ich persönlich glaube, dass diese Möglichkeiten auf keinen Fall ausgespart werden sollten und gleich mehrere gute Alternativen darstellen, um an neue Besucher für seinen Blog zu kommen.
Bei den meisten “großen” Blogs ist es wahrscheinlich nach wie vor so, dass sich der Löwenanteil an Besuchern aus der Laufkundschaft rekrutiert, die durch irgendwelche Suchmaschinen an den Blog durchgereicht wurden [letztens hat sich offenbar tatsächlich ein chinesischer Besucher über Baidu auf meinen Blog verirrt - dabei schreibe ich hier doch gar kein Chinesisch, oder etwa doch?!]. Doch was ist, wenn der Algorithmus von Google, Yahoo und Bing einmal andere Seiten nach oben spült und man selber auf der Strecke bleibt? Dann wären doch ein paar Besucher mehr von Plattformen wie Facebook oder Twitter gar nicht so verkehrt.

So oder ähnlich würde der erste Absatz dieses Beitrags auf Chinesisch (traditionell) aussehen. Übersetzungshilfe gab es hier: http://translate.google.de/.
Dabei bin ich noch ziemlich unschlüssig, ob ich mir nicht auch mal so eine schöne Fanpage bei Facebook basteln soll – wahrscheinlich bin ich nur ein wenig zu faul, um das in Angriff zu nehmen. Doch Twitter nutze ich seit einigen Monaten auch intensiver und halte es nach wie vor für ein großartiges Tool, sofern man auf sinnreiche Tweets verzichtet wie etwa “Komme gerade vom Lokus und hatte eine echt gute Sitzung! #lokus #sitzung #erlebnis” o.ä.
Warum ich Facebook und Twitter für durchaus praktisch halte, werde ich dann in einem weiteren Post als Blogfutter verwenden; doch eigentlich wollte ich ja mehr über Sinn und Unsinn von Feed-Kürzungen philosophieren. Ich wusste bis dato ehrlich gesagt noch gar nicht, dass es bei einigen Internetusern schon gang und gäbe ist, dass sie gar nicht mehr die jeweiligen Blogs besuchen, sondern nur noch den Feed lesen, der irgendwo aggregiert wurde. WTF?
Wenn meine Artikel nicht einmal mehr wert sind, dass jemand meinen Blog besucht, dann kann er es auch gerne bleiben lassen. Zum einen bin ich sowieso kein Fan der permanenten “Schneller-Höher-Weiter-Kultur”, die durch das Internet und vor allem auch durch die (Micro-)Blogger-Welt noch befördert wird; ein Leser darf sich auch beim Lesen eines Blogartikels Zeit nehmen. Zum anderen will ich überhaupt nicht, dass irgendwo anders meine Inhalte noch komplett zu lesen sind – egal ob ich nun Geld mit meinem Blog oder RSS-Feed verdienen will oder nicht. Wie sieht das überhaupt dann mit Duplicate Content aus? Rein technisch gesehen, kann ich darauf leider keine Antwort geben, aber ein ungutes Gefühl habe ich dabei schon.
Fazit: ich fände es social und so, wenn Ihr alle immer fleißig meine Artikel facebooked, twittert, den RSS-Feed abonniert und dann auch noch die Muße habt, vorher alles in Ruhe zu lesen;) [Ich weiß, ich bin ein unverbesserlicher Traumtänzer...]
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Ehrlich gesagt sehe ich Blogs ziemlich kritisch…ich schreibe zwar selber gerne, aber ansonsten lese ich doch lieber zeit.de, spiegel online usw.
Die meisten guten Blogs sind einfach nur zur Unterhaltung da (Spreeblick) und wenn es dann ein Blog schafft mit politischen Themen bekannt zu werden (netzpolitik) dann ist er so geschrieben, das nur Geeks ihn auch lesen wollen. Da lob ich mir doch das Onlineangebot von: Zeit, Spiegel, taz, SZ und faz.
hi, habe mal noch schnell gelesen zwischen 2 anderen sachen. die anderen social-media-plattformen sollte man schon nutzten. doch aus insiderkreisen ist mir bekannt, dass in den nächsten 2 wochen in einem größeren magazin was ziemlich negatives über facebook geschrieben wird. mal sehen wie dann die internetgemeine darüber denkt. spionage ist dann kein ausdruck mehr. endlich gibts dann neben dem datensammler google noch ein weiteres feindbild.
vg
Maik
Der Grund warum ich blogge ist, dass ich es anonym machen kann. Wenn ich das ganze über Facebook oder ähnliches laufen lasse, ist das nicht mehr gegeben. Deshalb halte ich von diesem Angebot nicht sehr viel.
MfG
darki
Dass Facebook sicher auch nicht “unbedenklich” ist, steht außer Frage; ich habe nur gerüchteweise mitbekommen, dass man automatisch die Verarbeitungsrechte für hochgeladene Fotos weitergibt, was mich zur sofortigen Löschung aller Fotos veranlasst hat. Ob das wirklich so ist, war ich zu faul herauszufinden. Aber diese ganze Datensammelwut überall gibt mir schon zu denken…
Moin Gentle!!
Schreib gerade meine Abschlussarbeit über “Social Media und so”….. Naja, is ja jetzt auch schon ein Weilchen her (März), aber sollten dich RSS Feeds immernoch stören:
Versuch die Dinger als positive Einrichtung zu sehen!
(achso: ebenso wie video und multimedia Inhalte ….)
Dein Content ist ja nicht woanders nachzulesen, sondern nur auf andere Art und Weise. Quasi Schnittstellenunabhängig. Ausserdem verringert es für aktive Blogleser den Aufwand jede Seite einzeln abzurufen und nach Neuerungen zu checken.
Zumal der Kontext in dem deine Artikel zueinander stehen ja Du bist und kein best. Thema. Und um noch einen drauf zu setzen kann man sich damit deine Texte ja auch mobil und offline einfahren
So und jetzt hab ich nur noch ne Minute Akku, also schnell…
Hi kunzmän,
ich werde darüber nachdenken…aber ich habe einfach ein Problem mit irgendwelchen automated content Website-Betreibern, die permanent komplette RSS-Feeds irgendwo auf ihren Splogs veröffentlichen; solltest Du mir eine Möglichkeit erläutern, wie ich dem entgehen kann, dann schalte ich die kompletten Artikel frei…aber lass mich mal ne Nacht drüber schlafen, vielleicht geschieht dann ein kleines Wunder;) Vielen Dank jedenfalls für Deinen Kommentar; und schick mir ruhig mal Deine Arbeit, weil mich das Thema auch brennend interessiert. Cheers!
jo, arbeit schicken wird wohl noch ein bisschend dauern hehe…
ne, hab keine ahnung wie man dem entgeht.. verstehe aber dein problem…. geht dann in richtung duplicate content?! (hab ich auch hier gelesen…)
sag mal wie kommts denn, das du zwar geschichte und philo studierst, dich dann aber so extrem mit marketing themen auseinander stetzt?!
hi kunzmän,
indeed, das ist dann u.a. ein duplicate content Problem…naja, also ich verdiene im Prinzip meinen Unterhalt mit diesen ganzen Geschichten – und so ein großer Schritt ist das insgesamt nicht: im Studium lese und analysiere ich ja auch viel (und vor allem auch die Quellen), was man im Internet Marketing / Seo-Bereich ja auch tut. Einer meiner absoluten Lieblingsblogger doshdosh ist übrigens auch Philosophie-Student;)