Der FC Bayern und die Philosophie

Hätte ich heute nicht zufällig mal wieder einen Blick in die Süddeutsche Zeitung gewagt: mir wäre ein gar großartiges Interview mit Philipp Lahm entgangen. Er hat sich durchaus kritisch über seinen Verein geäußert, was man in dieser Offenheit nur selten von einem Fußballer miterlebt, wenn er über seinen eigenen Stall spricht.

Das mag unter anderem wohl auch daran liegen, dass es dem Fußballer an sich häufiger an passenden Worten mangelt, um nicht zu viel oder gar Falsches zu sagen. Den richtigen Ton zu treffen ist schon fast eine eigene Kunst, eine Philosophie.

Fußball und Philosophie? Letztere sei dem FC Bayern laut Lahm schon seit längerer Zeit abhanden gekommen. Das ist schon starker Tobak – ob das der Uli so einfach hinnehmen kann / will / darf? Das würde im Prinzip die Arbeit der letzten Jahre grundsätzlich in Frage stellen. Schauen wir doch einmal kurz auf die Bilanz der letzten Jahre, welche die FC Bayern München AG so gemacht hat: fast durchweg satte Millionengewinne, und trotzdem scheint seit Jahren die Flagge auf Halbmast, der Haussegen schief zu hängen.

Tja. Weil es beim Fußball eben nicht einfach nur um die Kohle geht, sondern auch um den gemeinsamen Erfolg, den Zusammenhalt, das Team, den Verein. Das, was über das bloß Physische hinaus geht, das Metaphysische und damit Philosophische, das über Jahre hinweg vorhanden sein sollte. Doch was sich da seit einiger Zeit abspielt und dem Zuschauer darstellt, grenzte schon fast an eine Farce: die permanente Frage nach dem richtigen Trainer

(dabei fällt mir ein: wurde dereinst nicht gerade aus München Kritik an Klinsmann geübt, als der noch im Dienste der Nationalelf stand, und partout nicht einsah, weshalb er nicht auch von Florida aus Fußball lehren kann? nur um dann später doch als großer Messias an die Isar geholt zu werden – zumindest für ein paar Monate),

häufig etwas seltsam anmutende Spielertransfers und -verwendung;  ich werfe jetzt einfach mal wahllos ein paar Namen in die Runde: Prinz „Ich geb‘ euch kurze Antworten, dann müsst ihr nicht so viel schreiben“ Poldi, Mario Gomez für 30 (!!!) Millionen Euro, Torsten Frings. Aber das schlimmste: das Rumgeheule, wenn man einmal nicht Meister wird, sich aber nicht einmal richtig freuen können, wenn man es wird.

Die Philosophie muss sich beim FC Bayern wieder ändern, da hat der Philipp absolut recht. Man möchte ihm doch fast ein philosophisches Lob aussprechen – wenn er doch bloß einst nicht für die Bild geworben hätte.

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3 Responses to Der FC Bayern und die Philosophie

  1. JostyNo Gravatar 8. November 2009 at 13:08 #

    Mit dem nach System einkaufen haben ich vor kurzem auch geschrieben…ich glaub der liest meinen Blog… xD

    Zitat – mein Fußballtrainer:“Der Lahm soll an Mund halten und endlich das Flanken lernen!“ Recht hat er.

  2. TorNo Gravatar 25. November 2009 at 09:01 #

    Mir hat es gefallen, dass der Herr Lahm so an die Öffentlichkeit gegangen ist. Die anschließende Bestrafung war vielleicht aus Sicht des Herrn Hoeneß notwendig. Doch wäre eine konstruktive Umsetzung sinnvoller gewesen. Aber mein Gott, es gibt ja noch andere Vereine in Deutschland 🙂 Allein schon die Kontinuität der Bremer mit Herrn Schaf beeindruckt mich.

  3. gentle.rockerNo Gravatar 26. November 2009 at 01:32 #

    Der SV Werder überrascht mich auch immer wieder; dass die Bremer immer wieder da oben mitmischen spricht tatsächlich für sie. Der Lemke war für mich auch eine absolute Kultfigur

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