Tee, Kaffee und Zucker: Die Globalisierung durch Plantagen
1. November 2009
Momentan beschäftige ich mich studienbedingt einmal wieder näher mit dem Thema Globalisierung, Expedition und Kolonisierung. Ich gehe mit Captain James Cook auf der HMS Endeavour auf Reisen, steche mit ihm in See und lande mit ihm auf Tahiti, wo ich Tupia treffe und mit ihm Batavia, das heutige Jakarta, unsicher mache.
Oder ich treibe mein Unwesen mit dem französischen Counterpart, nämlich Jean-François de Galaup de Lapérouse, der zwar reichlich unbekannter als Cook sein mag, ihm in Sachen Abenteuern jedoch wohl kaum nachstehen dürfte. Die beiden großen Seefahrer sind nach C. A. Bayly bzw. A. Hopkins der sogenannten “Proto-Globalisierung” zwischen 1600-1800 zuzurechnen, die der “modernen Globalisierung” zwischen 1850-1970 voran ging.
Neue Produkte wie Tee, Kaffee und Tabak brachten den Umbruch
Doch was zeichnete diese Phasen des Umbruchs genau aus? Es waren vor allem Ideologien wie Nationalismus, Kapitalismus, Demokratie und vor allem eines: Konsumdenken, die zum Tragen kamen. Schon in der Proto-Globalisierung waren alte Konsummuster durch neue Produkte wie Tee, Tabak, Kaffee, Zucker und Opium nachhaltig verändert worden. Diese waren vor dem 15. Jahrhundert in Eurasien noch nicht verbreitet. Große Plantagen wurden errichtet, um das Verlangen nach den neuen Gütern zu stillen. Damit ging auch das amerikanische Sklavensystem einher.
Tee und Kaffee als Beispiel für Globalisierung
Durch Sklavenarbeit konnten Tee-, Kaffee und Tabakplantagen zu riesigen Unternehmen ausgebaut werden, die große Profite brachten und Gewinne maximierten. Möglicherweise kam hier auch das Modell von einem “homo oeconomicus” auf, der vorwiegend auf wirtschaftliches Handeln aus ist. Die Expansion einer europäisch-amerikanisch dominierten Weltwirtschaft nahm ihren Lauf. Der Konsum von Kaffee und Tee an kulturell wichtigen Orten wie zum Beispiel in gehobenen, vornehmen Salons könnte als Vorbote des modernen Kapitalismus gesehen werden.
Dabei wurde den beiden “süchtig machenden” Erzeugnissen ganz im archaischen Sinne auch positive Wirkung auf Gesundheit, Intellekt oder auch Sexualität nachgesagt. Die moderne ersetzte also nicht die archaische und die Proto-Globalisierung; viele Traditionen wurden über Jahrhunderte hinweg auch fortgeführt – Tee und Kaffee werden heute von mehr Menschen denn je geschätzt und genossen, was etwa auch durch den Boom rund um den Kaffeevollautomat deutlich wird. Tag für Tag ein wenig mehr Globalisierung, ohne dass man sich dessen unbedingt bewusst ist.
Weiterführende Literatur:
Sebastian Conrad, Andreas Eckert, Ulrike Freitag (Hg.): Globalgeschichte. Theorien, Ansätze, Themen, Frankfurt/New York 2007.
Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2009.
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